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Vincent van Gogh Ein Leben in Leidenschaft

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Warner Home Vincent Van Gogh - Ein Leben in Leidenschaft, USK / FSK : 12 + VÃ - Datum : 07.02.06.
  • 9 Bewertungen: 4.0




Vincent van Gogh - Ein Leben in Leidenschaft

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Genie und Wahnsinn
Wie van Goghs Bilder Meisterwerke der Malerei sind, ist dieser Film ein zeitloses Meisterwerk für das Filmgenre Biopic.
Soviel Ruhe, wie van Goghs Bilder bisweilen ausstrahlen, desto manischer scheint ihr Schöpfer gewesen zu sein. Kirk Douglas spielt van Gogh grandios als Besessenen, glaubhaft auch die seelische Verrücktheit van Goghs in seinem Streben nach absoluter Perfektion. Die Kraft und Ausstrahlung wie er die Rolle spielt, ist unglaublich und trägt den ganzen Film über gut 2 Stunden. Was Douglas Darstellung ungemein unterstützt, ist die Filmmusik, die immer dann am besten ist, wenn van Goghs Manie zutage kommt oder wenn er Bilder malt. Und wenn man den Film sieht ist man absolut überzeugt, dass van Gogh ein seelisch gebrochenes Genie war eher sogar schon ein Wahnsinniger.
Douglas Darstellung wäre in jedem Fall damals einen Oscar wert gewesen.
Über das was van Gogh gemalt hat, erhält man auch einen recht guten Überblick, durch Zwischeneinblendungen diverser Gemälde. Auch wenn man sich nicht oder nicht so sehr für Malerei interessiert, wissen viele Leute was van Goghs Sonnenblumen sind oder man kennt das kleine Nachtcafe. Der Film bezieht die Entstehung der Gemälde ein. Es gibt immer wieder kurze Einschübe wo man nur seine Stimme aus dem Off hört und Bilder präsentiert werden. Das kleine Nachtcafe wurde ebenso toll als Kulisse nachgebaut, wie man sich bemüht hat, Landschaften zu finden, die perfekt zu den Gemälden passen.
Den Film kann man zum einen Kunstfreunden empfehlen, die mehr über den Mann hinter den Gemälden erfahren wollen, aber auch Leuten, die stark erzählte Biopics mögen, sowie Filmsfans, die Stories mit grandiosen Darstellern mögen. Ohne Frage ist dies einer der besten Filme der 50er Jahre und wie van Goghs Bilder über die Jahre an Klasse noch besser geworden.
 
  Ein Film, so rätselhaft und delirierend wie der/das Gefilmte (Spoiler)
"Lust for Life" ist das, was man auch über die Bilder Vincent van Goghs sagt: ein Meisterwerk. Zwar muss ich mich klar als Ahnungsloser des nicht bewegten Bildes äußern. Aber wie hier Leben und Werk eines Schöpfers von Bildern in bewegte Bilder umgesetzt wird, ist einzigartig. Regisseur Vincente Minnelli ist aber auch der richtige Mann für das Thema - von den klassischen Hollywoodregisseuren greift er neben Douglas Sirk so tief in den Farbtopf, wie das später erst wieder ein Pedro Almodóvar tun sollte. Obwohl das noch keine Garantie ist, dem großen Thema gerecht zu werden, macht Minnelli hier alles richtig. Vor allem hat er weit mehr als nur ein üppig bebildertes Biopic abgeliefert. Er greift nicht einfach zu einer herkömmlichen Biographie als Vorlage, spult nicht einfach nur Szenen eines Lebens ab. Sein Film ist selbst ein Gemälde und belässt dem Rätselhaften von van Goghs Lebenssuche und -gier immer ein kostbares Stück Geheimnis. Obwohl wir doch eine äußerlich linear und scheinbar konventionell erzählte Geschichte sehen, bricht die herkömmliche Dramaturgie gelegentlich auf und wird die Erzählung selbst ein bißchen abstrakt. Man kann es auch anders sagen: Sie wird Bild statt Plot. Dies ist besonders deutlich in den Szenen, in denen van Gogh sich Gewalt antut: In den jeweiligen Momenten ist ein Gefühl ganz stark, dass es genau jetzt und genau so und nicht anders kommen muss, aber im Nachhinein ist es (mir jedenfalls) ziemlich schwierig zu sagen, was denn nun die Ereignisse, Eindrücke, Erlebnisse waren, die etwas in van Gogh zum Bersten gebracht haben. Damit gelingt dem Film etwas Einzigartiges und sehr Schwieriges: Er kann und will das vielleicht Unerklärliche gar nicht erklären, aber er lässt es uns fühlen. Es mag einem bei dem Betrachten der zu seinen Lebzeiten verkannten und unerklärten Bilder ebenso gehen.

Dazu trägt die meisterhafte Bildsprache Minnellis bei, auch hier gelingt ihm Gewagtes und Unkonventionelles. Die Breitwand sorgt zunächst nicht für grandiose Panoramen, sondern für dräuende Enge niedriger Decken, doch weil in diesen erdrückenden Räumen der Anfangsphase des Filmes die Menschen weit auseinanderstehen und kaum einmal in nahen Einstellungen zu sehen sind, kommt Bedrückung statt Heimeligkeit in der Enge auf. Besonders farbenprächtig ist das erste Drittel des Filmes nicht, gerade in den elenden Kohlebergwerken, in denen der jüngere van Gogh sich als Pfarrer versucht. Seltsamerweise gibt es aber auch schon zu Beginn auffällig viele Szenen, in denen bei ansonsten karger Farbgestaltung einzelne Gegenstände rot sind, zunächst sehr kleine. Da schlummern wohl schon Leidenschaften in einem Mann, der noch nicht die Ausdrucksweise dafür kennt und es zunächst mit dem Wort statt mit dem Bild versucht. Als van Gogh zu rastloser Schaffenskraft aufblüht (und wer wäre besser als ein energetischer Darsteller wie Kirk Douglas?), werden die Farben allmählich kräftiger, wird das Rot größer, die Sonne heller - doch bei einem geradezu ikonografischen Bild von van Gogh mit Hut beim Malen vor dem Wasser kann man auch irritiert sein: Ein dunkles, leuchtendes kräftiges Blau des Wassers kommt ansonsten in diesem Film fast nie vor, und war die einzige Wasserspiegelungsszene zuvor nicht die, in der van Gogh in Selbstmordgedanken auf einen Fluss herabblickte? Das Spiel mit Farben betreibt Minnelli äußerst geschickt und suggestiv. Wenn van Gogh seinem Freund Gauguin (Anthony Quinn) von einem Licht erzählt, das er sogleich in wilden Farben aufmalt und beschreibt und das sogar zu Unheil und Verbrechen führen könne, trinken die beiden giftgrünen Absinth. Wenn van Gogh in einer Krise nicht mehr das Gefühl für die Schönheit seiner Welt hat, das er zum Malen braucht, sondern wenn er fürchten muss, sich selbst im Wege zu stehen und das nicht überwinden zu können - dann sieht er sich tatsächlich selbst als sein eigenes Hindernis und als sein Gegner, verzweifelt beim Blick in den Spiegel. Und dieses Sich-im-Wege-Stehen ist derart übermächtig, dass er bei einem Ausweichen nur noch eine völlige Leere vor sich hat - fatal für einen Künstler! Van Gogh entfernt sich vom Spiegel, die Kamera nicht, und sie zeigt diese Leere, aus der sogar die Rotakzente verschwunden sind. Da bleibt van Gogh nichts anderes übrig, als das Rot durch das Abschneiden des eigenen Ohres wieder ins Bild zurückzuholen. Nach einer halbwegs aussichtsreichen Genesung, bei der peu à peu das Rot wieder ins Bild kommt, ist es am Ende ganz verschwunden, vor einem besonders großen Gemälde. Von den Raben, die nicht erst bei Edgar Allan Poe Todesboten waren, bleiben nur noch Spuren in van Goghs Werk übrig - vielleicht das stimmige Zeichen, dass das Werk das Leben überdauern wird.

Es sind diese eher assoziativen als streng logischen Momente, mit denen Minnelli so wunderbar erreicht, dass ich nichts erklären, aber alles fühlen kann. Wer Lust hat, mag daneben auf das immer reich mit aufmerksamen Details am Rande gefüllte Breitwandbild achten. Dort gibt es Dinge zu entdecken wie eine scheinbar bedeutungslose picknickende Familie, die Gauguin und van Gogh beim intellektuellen Disput völlig am Ar--- vorbei geht, obwohl Letzterer doch immer so viel Emphase für die einfachen Leute empfinde. Er ist eben ein Zerrissener, Getriebener auf der Suche nach dem für ihn passenden Ausdrucksmittel, darin rastlos und besessen. Dass er sein Ziel letztlich doch, wenn auch unwissend, mit seinen Bildern erreicht haben könnte, lässt sich daran erahnen, dass sie gelegentlich Wahrheiten unter der Oberfläche enthüllen. Das wilde Rot der Zeichnung um eine Lampe (der gleichen aus der Absinth-Szene, in der dieses Licht als zerstörerische Ur-Kraft beschrieben wurde) wird unmittelbar vor der Ohr-Abschneide-Szene noch einmal als Symbol für van Goghs Befindlichkeit eingeblendet. Zeichnungen aus van Goghs Anfangsphase zeigen in auffälligem Kontrast hierzu Falschheit und Schein; so auch den Schein der Sonne im Gotteshaus für Bergarbeiter, die diese Sonne doch niemals sehen können und die Pfarrer van Gogh (noch) nicht versteht.

So lässt sich vieles, was dieser Film an den sehr aufmerksam inszenierten Rändern zeigt, detektieren, analysieren, interpretieren. Das Zentrum aber ist ganz und gar eine eigenständige Bild-Dynamik außerhalb der Erzähloberfläche. Und zwar eine, die berührt und begeistert - eine, von der ich schon ganz genau weiß, dass sie meisterhaft ist, auch wenn oder gerade weil sich dies nicht als pure Ausstaffierung der klassischen Dramatik deuten lässt.

Der Film hat die aus Amazons Angaben ersichtlichen Sprachen, eine sehr gute Bild- und eine altersbedingt etwas rauschende Tonqualität. Die Filmmusik von Miklos Rosza ist gelegentlich ein bißchen zu bleiern und überpräsent, aber das kann man gegenüber dem ansonstenin in den höchsten Tönen zu lobenden Film vernachlässigen. Die Angabe 177 Minuten" dürfte ein Druckfehler sein, es sind 117. Drew Caspar ist für mich einer der besten Audiokommentatoren, der viel Wissenswertes und kluge Interpretationen zum Besten gibt und oftmals hart am Bild bleibt, während Audiokommentare häufig wenig bis gar nichts mit den gerade gezeigten Szenen zu tun haben. Caspars in den Betonungen etwas überzogen-exaltiert wirkende Sprechweise ist nicht jedermanns Sache (er weiß viel, und er weiß, dass er viel weiß", schrieb zu Recht einmal ein Rezensent eines anderen von ihm kommentierten Filmes), aber für mich kann es nichts Wertvolleres als einen viel sagenden vielsagenden Vielwisser geben.
 
Spannender Film - aber kein Biopic
Wer sich genauer über Vincent van Gogh informieren möchte. Sollte diesen Film mit äußerster Vorsicht genießen, denn es wird hier einem Mythos van Gogh das Wort geredet, der nichts mit der Person und dem Künstler van Gogh zu tun hat.

Ich würde daher jedem vorher die Lektüre des Buches "van Gogh - Mythos und Wirklichkeit" von Stefan Koldenhoff empfehlen, damit man nicht vom Mythos geblendet wird.

Der Film ist als Drama ganz spannend, aber man muss sich weg denken, dass die Hauptfiguren Gaugin und van Gogh sind.
 
  Grosses Schaukino - grosse Schauspieler
Dieser Film gehört zum grossen Schaukinorepertoire der 50er Jahre. Erzählt wird episodenhaft der Lebesweg des grossen Malers Vincent van Gogh, vom Hilfsprediger im flandrischen Kohlerevier bis zu seinem tragischen Ende in Südfrankreich. Sicherlich handelt es sich nicht um eine akribische Biografie, sondern um einen dem Erzählkino der 50er Jahre angepassten Bilderbogen.

Kirk Douglas stellt in dieser seiner vielleicht besten Rolle die Zerrissenheit, Besessenheit, Verletzlichkeit und Einsamkeit mit einer fesselden Intensität dar. Als Gegenpol hierzu verkörpert Antony Quinn den zeitweisen Freund und Weggefährten Gaugin mit enormer physischen Präsenz und wurde hierfür zurecht mit einem Oscar belohnt.

Die Haßliebe der beiden Maler, aber auch deren unverwechselbarer Malstil sind in einer kurzen Dialogszene genial charakterisiert:
Gaugin: Du malst zu schnell
Van Gogh: Du siehst zu schnell

Abgesehen von den den Darstellern lebt der Film vor allem von der hervorragenden Fotographie (Kamera Freddie Young; mit "Lawrence von Arabien" und "Dr. Schiwago" Meister seines Fachs). Die sehr farbenprächtigen Aufnahmen sind der Farbgebung van Goghs Bilder angepaßt, so wie auch die Sets den Szenen in den bekannten Bildern nachempfunden sind. Der Film zeigt, wie die Provence auf den Maler gewirkt haben muß, auch wenn gleißendes Licht und Mistral aus Jupiterlampen und Studioventilator kommen.

Das Bild wurde ganz offensichtlich sorgfältig restauriert, kein Dreck und keine Kratzer stören hier. Außerdem wird es - abweichend zum Verpackungstext - nicht in 16:9 sondern im vollen CinemaScope-Format 1:2,55 wiedergegeben, nicht wie in der Fernsehfassung, wo in den Dialogszenen zwischen van Gogh und Gaugin nur die Nasenspitzen zu sehen sind.

Wer sich durch den sehr treibenden kraftvollen Orchester-Soundtrack an Monumentalfilme wie "Ben Hur" erinnert fühlt, liegt richtig: Die Filmmusik stammt von Miklos Rozsa.

Daß es bis auf die paar Trailer keine Extras gibt, ist schade, hätten doch Dokumentationen über den Maler locker 10 DVDs füllen können. Trotzdem eine empfehlenswerte DVD.

 
Genie und Wahnsinn
Es ist eine anschauliche Lehrstunde in Kunstgeschichte. Das Leben eines der größten Maler der Menschheit. Vom untalentierten Prediger bis zum unglückseligen Genie. Van Gogh der Suchende, mit tiefster menschlicher Anteilname am Schicksal der Arbeiter, der Abgewiesene auch von Frauen. Diesen Typ verkörpert Kirk Douglas in einer seiner glänzendsten Rollen. Er ist jähzornig, impulsiv, aber sensibel und ständig voll überbordender Energie. Im Focus dazu sein Malerfreund Paul Gaugin (Anthony Quinn), nachdenklich, souverän, schlagkräftig. Beide liefern sich heftige Wortgefechte über das Wesen der Kunst. Der auftretende Wahnsinn wird hoch dramatisch, musikalisch-akustisch bis zur Schmerzgrenze dargestellt. Und mit den sich häufenden Anfällen, kommt seine Genialität zum Tragen, sein unverwechselbarer Stil, der ihn so berühmt gemacht hat. Man sieht eine recht große Auswahl seiner Werke, dazu oft das Ambiente der Entstehung oder die Figuren vieler Porträtierter. Das Licht, das er in der Provence so gesucht und gefunden hat, ist meisterlich eingefangen und auch die gemalten Kulissen der Außenaufnahmen verstärken den van-Gogh-Effekt der den Reiz des Films ausmacht.